Die Versuchung ist nachvollziehbar: In einem der großen Technikmärkte nach einem MP3-Player mit Aufnahmefunktion zu suchen, wenn ein Diktiergerät gebraucht wird. Ein Fünftel des Preises ist verlockend. Die Aufnahmequalität ist gut. Die Nachteile erst bei der Ingebrauchnahme eine echte Zumutung: Anders als bei den DS-9000, DS-9500, den DPM 8000 oder den SpeechAir fehlt der Workflow. Der ist aber inzwischen das, was professionelle Diktiergeräte, — abgesehen von wirklich ergonomischen Bedienelementen — , zu dem macht, was sie sind. Eine Software, die Diktate zur Spracherkennung oder der Schreibkraft „schubst“, sie auf der Festplatte oder in „der Wolke“ archiviert und Mitglieder einer Arbeitsgruppe ebenso wie deren Gerätschaften verwaltet, ist tatsächlich ein paar Euro wert. Die haben sich schnell amortisiert — sehr schnell sogar, wenn man sich die unzähligen Mausklicks und das unvermeidbare Ablage-Chaos vergegenwärtigt, die man bei preiswerten „Diktiergeräten“ mit kauft.

Bislang hatte man auf geordnete und automatisierte Arbeitsabläufe zu verzichten, wenn das bevorzugte Eingabegerät zum Diktat kein Diktiergerät oder Diktiermikrofon war. Autoren mit einem SpeechMike oder RecMic hatten ihr Diktatverwaltungsprogramm, Autoren mit Headset: nicht. Da hieß es für gewöhnlich: Dragon Professional Group öffnen, Headset aufsetzen, Diktieren, Text verbessern, speichern, drucken und ins Verzeichnis finaler Dokumente verschieben.

Um die Verwaltung von dem, was mittels Headset erzeugt wird, haben sich Headset-Hersteller bislang nicht gekümmert. NUANCE, der Entwickler der mächtigen Dragon-Spracherkennungseditionen auch nicht. Mut zur Lücke kann man es also kaum nennen, dass PHILIPS jetzt ein Headset auf den Markt gebracht hat, das in eine Diktatverwaltungssoftware integriert ist.

Es sei denn, man bezieht sich auf die anderen Diktiergerätehersteller, die diesen Zug verschlafen haben.

Das SpeechOne reiht sich in Bezug auf die technischen Eckdaten und den Tragekomfort nahtlos in die Reihe höherpreisiger kabelloser Headsets ein. Ein nettes Gadget ist das Statuslicht, das einer vorbeihuschenden Reno oder Schreibkraft von weitem anzeigt, dass Herr Anwalt die „Dragon Legal Group“ strapaziert und auf keinen Fall ansprechbar ist. Sie kann sich in dem Moment aber schon darauf freuen, dass über kurz oder lang ein zu korrigierendes und auszudruckendes Schriftstück auf ihrem Desktop aufploppt. Vorausgesetzt, das SpeechOne wurde in der größten Konfektionsgröße („PSM 6800“) mit der Diktatverwaltung SpeechExec Pro angeschafft.

Das bedeutet, dass nicht nur in ein offenes Textfenster für den Einsatz eines Spracherkennungsprogramms zur Verfügung steht. Ein Diktat in dieser Weise ist nur eine Option. Eine weitere, die bei Nutzung anderer Headsets eben nicht zur Verfügung steht, ist das von der Texterstellung unbeeindruckte Diktat in SpeechExec Pro. Die so erzeugte Audio-Datei, die einen nicht vorschnell zu Korrekturen verleitet, wird nach Ende des letzten diktierten Satzes im Hintergrund vom installierten Spracherkennungsprogramm in Text umgesetzt, ganz nach Gusto auf einem dezidierten Server, dem Rechner der für die Korrektur verantwortlichen Schreibkraft oder dem des Autors. Die Hintergrunderkennung schließt Ablenkungen aus, die bei der Echtzeit-Erkennung vom Gedankenfluß ablenken: Ist der Satz stilistisch optimal? ‚Ich verbessere das zwei Sätze zuvor falsch erkannte Wort, damit Dragon es bei der nächsten Verwendung korrekt erkennt‘ usw. usf. Kein Autor, der diktieren kann oder es aus Effizienzgründen wirklich erlernen will, hat Interesse an Unterbrechungen dieser Art.

Bislang konnte man sie nur mit einem Diktiergerät unterbinden. Nun gelingt das, sofern man ein Headset goutiert, auch mit einem SpeechOne.