Digitales Diktiergerät Olympus DS-9500

Digitales Diktiergerät Olympus DS-9500

Revolutionen erwarten wir uns keine bei digitalen Diktiergeräten. Die Aufzeichnungsdauer kann mit der richtigen Speicherkarte auf mehrere Tage am Stück ausgedehnt werden, die verwendeten Schiebeschalter wurden in den letzten Jahrzehnten perfektioniert und die Gerätegröße ist von der Haptik bestimmt, nicht der technischen Machbarkeit. Auch das soeben präsentierte DS-9500 von Olympus kommt mit einem präzisen Schiebeschalter, ewigen Aufnahmezeiten und einer weiter verbesserten Batterielebensdauer daher. Trotzdem hat sich der Hersteller ein paar deutliche Verbesserungen zum bisherigen Spitzenmodell, dem DS-7000, einfallen lassen.

Zu allererst verringert man den Abstand zwischen Smartphones und digitalen Diktiergeräten, der sich bislang ungefähr so darstellte: Mit einem Smartphone diktierte Aufnahmen kann ich von überall nach überall verschicken, dafür habe ich nach mehreren Stunden Gebrauch eine Sehnenscheidenentzündung. Bei einem digitalen Diktiergerät mit Schiebeschalter sorgt die Ergonomie dafür, dass ich auch nach Stunden keine Schmerzen verspüre, dafür muss ich das Gerät erst mit einem PC verbinden, um meine Diktate weiterzuverarbeiten. Ein elektronisches Gerät ohne Internetanschluss gilt mittlerweile als Anachronismus, als liebenswerte Schrulle.

Seit Jahren wurde die Anforderung an uns herangetragen, doch mal ein wirklich mobiles Diktiergerät anzubieten: ein Gerät, bei dem man in der Check In-Schlange am Flughafen noch schnell den Geschäftsbericht kommentiert und per Knopfdruck an die Assistentin schickt. Olympus wollte dem mit dem DS-7000 Air begegnen, allerdings stellte sich die Praxis der WiFi-Speicherkarte weit komplizierter dar als gedacht: Das DS-7000 Air verbindet sich nämlich keinesfalls mit einem WLAN, sondern es baut selbst eines auf. Damit kann man dann Kontakt mit der Olympus Diktier-App auf dem Smartphone aufnehmen, um darüber Diktate zu versenden. Dieser Vorgang ist – Smartphone in der einen Hand, Diktiergerät in der anderen – nur empfehlenswert, wenn man kein Handgepäck dabei hat.

Jedenfalls hat das DS-9500 eine „echte“ Wi-Fi-Funktionalität: es verbindet sich mit einem voreingestellten Netz. Im WLAN des Büros können Aufnahmen tatsächlich sehr einfach per Knopfdruck verschickt werden, als Email, per ftp oder in einen Ordner im Netzwerk. Die Verbindung mit der Olympus-App funktioniert aber trotzdem. Damit nicht genug, Olympus hat auch der mitgelieferten Docking Station eine neue Funktion spendiert: LAN. Ein Netzwerkkabel verbindet die Docking Station mit dem – kabelgebundenen – Netzwerk und die Diktate auf einem eingesteckten DS-9500 können automatisch ausgelesen, heruntergeladen und an andere Arbeitsplätze verteilt werden. Auch, wenn der eigene PC ausgeschaltet ist. Mit einer LAN-Docking Station kann man auch „Entladepunkte“ für Mitarbeiter schaffen, die gar keinen PC-Arbeitsplatz haben.

Die zweite große Änderung betrifft die Mikrofone, von denen es jetzt zwei gibt, die im 90°-Winkel angeordnet sind. Natürlich hat der Diktierende weiterhin nur einen Mund und braucht kein Stereo, die Anwendungsfälle sind andere: Zwei Mikrofone sorgen für eine saubere, gleichmäßige Aufnahme, auch wenn der Diktierende das Diktiergerät nicht immer gleichmäßig präzise vor den Mund hält. Die Spracherkennung wird es Ihnen danken. Ebenso kann die Aufnahme unidirektional erfolgen, um beispielsweise Interviews oder Meetings mitzuschneiden, oder aber gerichtet auf die Tonquelle, um Hintergrundgeräusche zu minimieren. In Verbindung mit einem PopUp-Filter zur Eliminierung von Lippen- und Pustgeräuschen erreicht das DS-9500 auch in lauten Umgebungsbedingungen eine Aufnahmequalität, die schon bei der aktuellen RecMic II-Reihe für Furore sorgte.

Olympus hat dem DS-9500 auch Bewegungssensoren spendiert, die vorher schon beim Philips DPM 8000 Einzug fanden. So erkennt das DS-9500 eigenständig, wenn es vom Tisch und in die Hand genommen wird und wacht aus dem Standby-Zustand auf. Vieldiktierer mit Aktenstudium werden sofort erkennen, was ich meine. Das Gehäuse ist nun schwarz, alkohol-wischfest und soll einen Sturz aus einer Fallhöhe von 1,5 m überstehen; handelsübliche Tische sind deutlich niedriger. Das Display hat nun noch mehr Farben, 260.000, und ist um 40% größer als die schon große Anzeige des DS-7000. Super Mario Kart läuft darauf aber nicht. Vermutlich der einzige ernsthafte Fehler, den man dem neuen Diktiergerät der Referenzklasse ankreiden kann.