Grundig PC-Diktatlösungen

Grundig ist neu aufgestellt

Mit Steno.type ist GRUNDIG den ersten Schritt in Richtung softwarebasierter Diktatlösungen gegangen. Seit der CEBIT 2003 ist deutlich, dass da mehr kommt und nun, zum Ende des Jahres 2003, ist neben Steno.write endlich Steno.rec auf dem Markt: GRUNDIG ist neu aufgestellt. Allen Querelen einer insolventen Konzernmutter zum Trotz. Oder vielleicht gerade deswegen.

Seit längerem bietet der Konzern, der vor 50 Jahren die Stenorette erfand, im Prinzip nur noch ein digitales Handdiktiergerät an. Über Jahre gab es neben der aufwendig zu installierenden GDV 4000 PCI Steckkarte keinen alternativen digitalen Schreibplatz. Von nun an wird jedoch softwarebasiert diktiert und geschrieben. Das ist die Linie, die einst LEO BASCHY mit MicMike, später MicNotePad, vorgab und die aktuell die DICTANET AG verfolgt. Das ist aber auch die Linie des Glaubenskrieges und des Verzichts:

Ist die Mehrzahl der Autoren an den Schreibtisch gebunden? Mobilität in der eher konservativen Zielgruppe der professionellen Diktiergerätenutzer nicht erstrebenswert? Sind neue Kunden des „Diktiergerätegeschäfts“ nicht gerade über die Anwendungsfälle zu gewinnen, auf die digitale Winzlinge wie das OLYMPUS DS-660 in perfekter Beiläufigkeit zielen? Sind die Sakkos gehetzter Zeitgenossen als flüchtige Speicher ebenso flüchtig aufgezeichneter Sprachbotschaften obsolet?

Sicher, der Markt wird diese Fragen entscheiden. Mit GRUNDIG Business Systems hoffen wir, dass die Anwender stationärer Diktiersysteme die neue Konzeption des einstigen Spielmachers annehmen. Aber auch wenn es grundsätzlich Zustimmung gibt, muß Steno.rec als Programm Punkte machen.

Der Installation der Software läuft reibungslos. Die bekannte GRUNDIG Adapterbox ist schnell an den COM Port des Rechners gesteckt und stellt neben den Schnittstellen für Netzteil, Aktivboxen und Mikrofon auch Regler für Lautstärke und Tonhöhe bereit. Leider wird aber der Betrieb der Box an der USB Schnittstelle noch immer nicht unterstützt. Dieser Umstand konterkariert den Laptop, der sich im Programmsymbol von Steno.rec befindet – werden die mobilen Rechner doch zunehmend ohne serielle Schnittstelle produziert.

Erfreulich ist die Nutzung des steuerbaren GRUNDIG Mikrofons GDM 756 F(X) (Bild 1) als Eingabemedium. Wir ziehen es wegen seiner klar definierten Funktionstasten und des klassischen Schiebeschalters den SpeechMike Varianten vor, die PHILIPS am Markt platziert. Mit den Bedienelementen können alle wichtigen Befehle für die Erstellung von Diktaten und die Navigation in ihnen gegeben werden. Die Steuerung der Steno.rec Software mittels Maus, Menüs und Buttons wird so auf ein anwenderfreundliches Maß reduziert, der individuell genehme Arbeitsstil unterstützt.

Der Programmstart bringt das Übersichtsfenster von Steno.rec in den Vordergrund, dessen schlichter Aufbau eine quasi einarbeitungsfreie Nutzung aller Möglichkeiten des Programms garantiert. (Bild 2) Große Buttons im linken Fensterbereich bewirken den Zugriff auf Einstellungen des Programms oder eines angeschlossenen Diktiergeräts, auf einen Link zu GRUNDIG Software Updates und auf die Diktate, die sich auf einem angeschlossenen DIGTA oder der eigenen Festplatte befinden.

Die Diktattabelle gibt alle Informationen zu den bereits erstellten und in Bearbeitung befindlichen Diktaten wieder. Auf einen Blick erkennbar sind Diktatname, -länge, -status (angelegt / fertig diktiert / übernommen / erledigt) und -priorität. Der Name des Autors und der der vorgesehenen Schreibkraft, der Zeitpunkt des vergebenen Erledigungstermins und andere organisatorische Festlegungen erscheinen, des weiteren Datum und Zeitpunkt der Erstellung. Bei der letzten Angabe finden wir es weiterhin problematisch, dass für vom DIGTA überspielte Diktate hier nicht der tatsächliche Entstehungszeitpunkt vermerkt wird. Stattdessen erscheint der Zeitpunkt des Imports als Erstellungsdatum.

Ein verkleinertes Diktatfenster mit Laufbalken und den von herkömmlichen Recordern gewohnten Buttons erscheint, wenn ein neues Diktat angelegt oder ein vorhandenes nachbearbeitet werden soll. (Bild 3) An dieser Stelle hat der Autor die oben erwähnte Wahl, die Arbeit mit den Buttons oder mit den Funktionstasten und dem Schieberegler des Mikrofons zu erledigen. Bei Nachbearbeitungen ist selbstverständlich festzulegen, ob im Einfüge- oder Überschreibmodus gearbeitet wird.

Diktiert wird äußerst komfortabel. Die Geschwindigkeit des schnellen Vor- und Rücklaufs läßt sich variabel einstellen, auch die Lautstärke des dabei wiedergegebenen Diktats. Mit der Maus kann ohne Zeitverzug in weit entfernte Diktatpassagen gesprungen werden, dort startet die Wiedergabe ohne Verzögerung. Markierungen ermöglichen das gezielte Anhören oder Löschen von Diktatteilen. Eine Voreinstellung entscheidet über automatisierte Aktionen beim Abschluß eines Diktats. Ein Diktat kann beispielsweise gesichert und zur Schreibkraft gesandt werden; serielles Diktieren wird durch die Anlage eines neuen Diktats erleichtert.

Beharrungsvermögen beweist GRUNDIG bei dem Feature „Info“, das bei diesem Hersteller seit den Urzeiten digitalen Diktierens überlebt. Das Info ist eine akustische Zusatzinformation, die der Autor seinem Diktat zuordnen kann. Für einige wenige Experten mag das ein Schmankerl sein; wir finden den elektronischen Begleitzettel, der jedem Diktat angehängt und mit Schriftzeichen ausgefüllt wird, weniger redundant. (Bild 4)

Insgesamt ist jedoch unverkennbar, dass jahrzehntelange Erfahrungen mit Diktierenden und Diktiergeräten in die Programmentwicklung eingeflossen sind. Im Einstellungsmenü von Steno.rec sind die Erwartungen zeitgemäßer Autoren antizipiert. Von der Sprachaktivierung und der Bestimmung der aufzurufenden Textverarbeitung reichen die produktivitätsfördernden Vorgaben über die Adresse des bevorzugten Mailempfängers bis hin zu frei definierbaren Diktatarten wie Fax, Brief, Gutachten usw. (Bild 5)

Steno.rec ergänzt Steno.write perfekt. Auch für sich genommen ist das Programm eine runde Sache. Es fördert die Effizienz des Vieldiktierers, den mögliche Verfeinerungen wie eine integrierte Schnittstelle zur Spracherkennung, die Synthese akustischer Versatzstücke oder die freie Belegung von Funktionstasten ohnehin nicht weiter interessieren. Als Killerapplikation taugt die Lösung unseres Erachtens aber nicht. Einerseits geht der Hardwarehersteller GRUNDIG nicht soweit, die standardisierten Audioschnittstellen am Rechner mit einem Universalheadset zu nutzen und den Markt über den Preis aufzurollen. Andererseits vollzieht das System pauschal gesagt eben lediglich in Form einer Software nach, was OLYMPUS und PHILIPS in der Firmware digitaler Handdiktiergeräte anzubieten haben.

Bild 1: Handmikrofon GDM 756 F

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Bild 2: ScreenShot Diktatfenster Steno.rec

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Bild 3: ScreenShot Auswahlfenster Steno.rec

srauswahlfenster.jpg

Bild 4: Begleitzettel mit Diktatinformationen

srbegleitzettel.jpg

Bild 5: Einstellungsmöglichkeiten Steno.rec

sreinstellungenjpg.jpg

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