PHILIPS Digital Pocket Memo 9600 und 9620

Philips DPM 9600Digitale Diktiergeräte haben nachvollziehbare Halbwertzeiten. Der überwiegend konservativen Zielgruppe und – bei den hochwertigen Profimodellen – auch den Abschreibungsfristen des Finanzamts angepasst, dauert es bis zum Modellwechsel im Regelfall 4 Jahre. Unter diesem Gesichtspunkt erstaunt es, dass PHILIPS seinem 2005 erschienenen Topmodell DPM 9450 im Frühling 2007 schon die Spitzenmodelle DPM 9600 und DPM 9620 folgen ließ.

Das Erstaunen verfliegt schnell. Man braucht das DPM 9600 eigentlich nur in die Hand zu nehmen, um einen gewaltigen Sprung gegenüber seinem „Vorgänger” festzustellen: Das Gerät kommt in einem völlig neuen Design, welches endlich auch die wünschenswerte Anordnung der Bedienelemente ermöglicht. Alle Tasten liegen nun so, dass sie zumindest vom rechtshändigen Diktierprofi stundenlang beansprucht werden können. Es ergibt sich ein lockeres Wechselspiel zwischen Zeigefinger und Daumen, wobei letzterer überwiegend zu arbeiten hat. Die Schnittstellen entsprechen nun den gewohnten Standards, so dass externe Mikrofone, Kopfhörer oder auch ein verlorenes USB Kabel beim Elektronik Discounter nachgekauft werden könnten. Genau so muß es sein.

Der erste Eindruck wird zur Überzeugung, sobald man sich auf die inneren Werte der Neulinge einläßt, die sich – wie frühere Modellpärchen auch – lediglich in Bezug auf die Schiebeschalterfunktionalität unterscheiden. Allein schon die Unterstützung des DSS Pro Formats – bei PHILIPS DSS QP (Quality Play) genannt – lässt erkennen, dass tatsächlich eine völlig neue Gerätegeneration den Markt erreicht hat. Auf unser bisheriges Referenzmodell DS-4000 fällt der Schatten, dass es dieses Format nicht unterstützt. Für Anwender, deren Workflow Spracherkennung umfaßt und die eine sofortige Verschlüsselung erzeugter Diktate benötigen, ist DSS Pro jedoch ab sofort ein Muss.

Der Fülle innovativer und benutzerfreundlicher Funktionen der DPM 96×0 wird eine summarische Auflistung kaum gerecht. Sofern man zur Inbetriebnahme auch die Festlegung individueller Geräteeinstellungen rechnet, wird man nach der obligatorischen Eingabe der Benutzersprache erst einmal von der Menüsteuerung erfreut. Die Steuerungstasten zur Anwahl und zur Bestätigung bestimmter Menüeinträge sind intuitiv zu nutzen, die bereitgestellten Einträge weitestgehend selbsterklärend. Jeder, der die Weckfunktion seines Handys ohne Supportanfrage beim Hersteller aufrufen kann, kommt mit der vorgegebenen Bedienerlogik sogar ohne Intuition zurande.

Leuchtet das große, weiß hinterlegte Display dann zum ersten Mal, fällt sofort eines der vielen durchdachten Details ins Auge: Die gut erkennbaren und aufgeräumt angeordneten Statussymbole werden auf der rechten Seite um die Visualisierung der Schiebeschalterpositionen ergänzt. Man muss sich also nicht mehr auf sein Gefühl für die Stellung des Schiebeschalters verlassen: Man bekommt sie zusätzlich angezeigt. Startet man nun die erste AUFNAHME, unterstützen eine Pegelanzeige und ein rotierendes Aufnahmesymbol die bekannte rot leuchtende Aufnahme LED. Schön, um bei der Gelegenheit ein weiteres Detail herauszugreifen, dass Aufnahmen beschleunigt und verlangsamt wiedergegeben werden können.

Stark überarbeitet wurde die Möglichkeit der Ladung über die USB Schnittstelle. Derzeit gibt es kein anderes Diktiergerät, dass in so kurzer Zeit mittels Rechner und ohne weiteres Zubehör aufgeladen werden kann. Innerhalb von 2,5 Stunden sind die zum Standard Lieferumfang zählenden Akkus auf diese Weise wieder voll. Im Gegensatz zu früheren Geräten spielt es bei der Ladung, gleichgültig ob über den USB Port oder mittels Dockingstation, übrigens keine Rolle mehr, ob das Diktiergerät an- oder abgeschaltet ist. Die Ladung erfolgt, wenn sie notwendig ist, und wird im Display angezeigt.

Standardmäßig verfügen die DPM 9600 und 9620 über die Möglichkeit der Sprachsteuerung, optional über eine Schnittstelle für das PHILIPS Scanmodul 9294. Mittels Sprachsteuerung oder Scanmodul sind unverwechselbare Merkmale eines Vorgangs wie bspw. Aktenzeichen komfortabel zu erfassen. Sie werden in den Header eines neuen Diktats geschrieben und später von entsprechender Software wieder ausgelesen. Das erspart einem nicht nur die Mühe der Erfassung derartiger Daten; es werden auch Bearbeitungszeiten verkürzt und Eingabefehler verhindert.

Das Sahnehäubchen für die rundum gelungenen Diktiergeräte stellt indes die optional anzuschaffende LAN Dockingstation dar. Sie ist ein strategisches Zubehör, mit welchem der Download von Diktaten PC- und betriebssystemunabhängig bewerkstelligt werden kann. Statt des USB Ports, mit dem herkömmliche Dockingstationen ausgestattet sind, verfügt diese Dockingstation nämlich über einen RJ45 LAN Anschluß. So können DSS Dateien vom erkannten DPM 96×0 via File Transfer Protocol (FTP) an einen Diktatserver versandt werden. Die Einrichtung und spätere Anpassung der LAN Dockingstation geschieht über ein Webinterface, auf welches man aus der Ferne mit irgendeinem Browser zugreift. Wer die Stationen gleich im Dutzend mag, kann die Administration mit einem optionalen Software Kit von PHILIPS vornehmen: Damit sind bis zu 100 LAN Dockingstationen 9160 gleichzeitig ansprechbar. — Für Anwender und Administratoren gibt es bislang keine einfacheren, für Arbeitsgruppen keine preiswerteren Transfer Tools. Fast möchte man sagen: genial

FAZIT: DPM 9600 und DPM 9620 heißen die neuen Referenzmodelle für professionelle Autoren. Wenn Sie als Vieldiktierer diese Geräte kaufen, können Sie einfach nichts falsch machen. Wenn Sie die Dockingstation 9160 zusätzlich erwerben, können Sie außerdem auch nichts besser machen.

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